Was ist eigentlich Parodontitis?
Anfangs bildet sich an den Rändern des
Zahnfleisches ein Zahnbelag (Plaque), der sich durch Kalkeinlagerung zum
Zahnstein entwickelt. Die Stoffwechselprodukte der Bakterien, die in diesem
Belag leben, verursachen eine Zahnfleischentzündung. Werden die bakteriellen
Beläge nicht regelmäßig entfernt, kommt es zu einer Ausbreitung der Beläge und
Vertiefung der Zahnfleischtaschen, Zerstörung des Zahnhalteapparates, Abbau von
Knochen und schließlich zur Lockerung und zum Verlust von meist ansonsten
gesunden Zähnen.
Die wichtigste Ursache der Parodontitis ist unzureichende Mundhygiene; zur Vorbeugung
sollte man sich regelmäßig die Zähne putzen (mindestens zweimal täglich)
und Zahnseide benutzen (einmal täglich). Besonders anfällig für Parodontitis sind
Raucher. Auch während der Schwangerschaft kann es aufgrund hormoneller Einflüsse ebenfalls
zu Zahnfleischentzündungen kommen.
Hinweise auf eine beginnende Parodontitis sind die
Rötung des Zahnfleisches, Zahnfleischbluten und Mundgeruch. Schmerzen treten meistens erst im
Spätstadium auf.
Was ist eine systematische Parodontalbehandlung?
Eine sytstematische Parodontalbehandlung umfasst verschiedene Maßnahmen,
die über mehrere Monate hinweg durchgeführt werden. Das Ziel der Behandlung
besteht in einer systematischen, gründlichen Reinigung aller Zahnoberflächen
mit zahnärztlichen Instrumenten. Der Zahnarzt bezieht in die Reinigung nicht nur
die sichtbaren Zahnoberflächen ein, sondern vor allem auch die der Mundhygiene nicht
zugänglichen Bereiche unterhalb des Zahnfleischsaumes. Weiche (Plaque) und harte
Beläge (Zahnstein, Konkremente) werden vollständig entfernt und der Patient
instruiert, seine Zähne und insbesondere auch die Zahnzwischenräume exakt zu
reinigen. Durch die Behandlung werden die Ursachen für ein Fortbestehen der
Erkrankung entfernt und die Entzündungen können dann abheilen.
Parodontitis-Patienten bedürfen immer einer
fortgesetzten Betreuung durch den Zahnarzt (Recall), soll die Erkrankung nicht
wieder auftreten.
Wie wird die Behandlung durchgeführt?
Die Behandlung läuft in mehreren Schritten ab:
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1. |
Eingangsuntersuchung:
Bei dieser Untersuchung stellt der Zahnarzt die Erkrankung und die Notwendigkeit einer Behandlung
fest und mißt die Tiefe der Zahnfleischtaschen. Eventuell werden Zähne mit infauster
Prognose entfernt und eine prothetische Interimsversorgung angefertigt.
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2. |
Einleitende (initiale) Parodontalbehandlung:
Zahnstein, alle sichtbaren Wurzelauflagerungen und Reizursachen für das Zahnfleisch, wie z.B.
Überstände von Füllungsmaterialien werden entfernt. Dadurch wird ein hygienefähiger
Zustand hergestellt.
Wie Sie diesen Zustand durch richtige und konsequente Mundhygiene erhalten können, zeigen Ihnen
der Zahnarzt und sein Team. Neue Hilfsmittel zur Zahnpflege (z.B. Interdentalbürste, Zahnhölzer,
Zahnseide) und deren Anwendung werden Ihnen vorgestellt und demonstriert. Ihre Mundhygiene wird in diesem
Behandlungsstadium mehrfach überprüft und dokumentiert.
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3. |
Weiterführende Parodontalbehandlung:
Eine erweiterte Befundaufnahme der vertieften Zahnfleischtaschen, Kiefermodelle und Röntgenaufnahmen
aller Zähne dienen dazu, die Reinigung der Wurzeloberfläche zu planen. Abhängig von der
Tiefe der Zahnfleischtaschen kommen verschiedene Behandlungsmöglichkeiten in Frage, die in der Regel
abschnittsweise durchgeführt werden.
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a. |
Nichtchirurgisch - Kürettage
Die nicht-sichtbaren Wurzeloberflächen unterhalb des Zahnfleischsaumes werden mit speziell geformten
Instrumenten gereinigt. Dabei wird kein chirurgischer Eingriff am Zahnfleisch vorgenommen.
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b. |
Parodontalchirurgisch - Lappenoperation
Das Zahnfleisch wird durch Schnitte, je nach Schweregrad der Erkrankung, von Zahn und Knochen gelöst,
so dass die Wurzeloberfläche unter Sicht gereinigt werden kann. Danach wird das Zahnfleisch
zurückverlagert und vernäht.
Dabei kommen verschieden Präparationstechniken in Frage:
- Resektiv => Entfernung von überflüssigem Zahnfleisch oder Lippenbändchen
- Regenerativ => Die Entzündung des Zahnfleischgewebes kann sich weiter in die Tiefe ausdehnen und allmählich die zahnstützenden Strukturen (Zahnzement, Kieferknochen) schädigen. Wenn die Zahnstützfunktion zusammengebrochen ist, bildet sich um den Zahn herum eine Tasche (ein Defekt). Wenn man zulässt, dass der Prozess fortschreitet, vertiefen sich die Parodontaldefekte und es besteht die Gefahr, dass der Zahn schließlich ausfällt.
Inzwischen gelingt es durch eine so genannte gesteuerte Geweberegeneration (GTR),
verlorenes Wurzelhaut- und Knochengewebe neu zu bilden; Emdogain ist ein Produkt, das die Wiederherstellung des Zahnhalteapparats fördern kann, der aufgrund einer Parodontitis zerstört worden ist. Damit kann es dazu beitragen, den betroffenen Zahn (oder die Zähne) zu retten,somit
ermöglicht es zudem eine echte Regeneration von parodontalem Gewebe
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4. |
Nachsorgeuntersuchung:
Nach Abschluß der Behandlung sollten Sie alle 3 bis 6 Monate zu einer Kontrolluntersuchung kommen. Dabei kontrolliert der Zahnarzt Ihre Mundhygiene und entfernt neu entstandene Beläge.
Ein dauerhafter Erfolg der Behandlung ist nur bei konsequenter und guter Mitarbeit und regelmäßiger Nachsorge zu erwarten.
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5. |
Mukogingivalchirurgie
Die Mukogingivalchirurgie - auch als Plastische Parodontalchirurgie bezeichnet - befasst sich mit den Beziehungen zwischen
mukogingivalem Gewebe und befestigter Gingiva. Auch Nachbarstrukturen, wie Alveolarknochen, Frenula, Muskelansätze
und Vestibulum werden während eines mukigingivalchirurgischen Eingriffes berücksichtigt.
Der Hauptteil eines solchen plastisch-chirurgischen Eingriffs richtet sich auf die Verbesserung der parodontalen
Umgebung durch Verbreitung der befestigten Gingiva und Wurzeldeckung. Die breite der befestigten Gingiva bestimmt
die Art des chirurgischen Vorgehens bei parodontalen Taschen oder Knochendefekten.
Die plastische Parodontalchirurgie dient demnach der Prävention oder Korrektur anatomischer, entwicklungsbedingter,
traumatischer oder krankhafter Defekte der gingiva, Mukosa und/oder des Alveolarknochens.
Zusammenfassend können folgende Eingriffsmöglichkeiten genannt werden:
- Gingivaaugmentation
- Wurzeldeckung bei Gingivarezessionen mit Bindegewebetransplantaten
- Korrektur mukosaler Defekte bei Implantaten
- Augmentation zanhloser Kieferkämme (Kieferkaumaufbau zur Vorbereitung für Implantate)
- Entfernung störender Bänder
- Prävention des Kieferkammkollapses nach Extraktionen
- Kronenverlängerung
- Freilegung nicht durchbrechender Zähne
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